Der erste Monitoring-Bericht zu KidsHealthCH

Der erste Monitoring-Bericht von KidsHealthCH bietet einen umfassenden Überblick über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Er beleuchtet den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten junger Menschen sowie das Angebot und die Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen und relevante gesundheitsbezogene Rahmenbedingungen.

Gesundheitszustand: Zwischen Stabilität und zunehmenden Herausforderungen
Der allgemeine Gesundheitszustand junger Menschen in der Schweiz wird gemäss Selbstauskünften grossmehrheitlich als gut bis sehr gut eingeschätzt und die Sterblichkeit ist im Vergleich zu den 1990er Jahren nur noch halb so hoch. Gleichzeitig weisen zahlreiche Indikatoren auf wachsende Belastungen hin – insbesondere bei der psychischen Gesundheit, bei chronischen Beschwerden und Erkrankungen sowie in Zusammenhang mit sozialen Risiken. Vor allem Mädchen sowie junge Frauen und sozioökonomisch benachteiligte Gruppen sind betroffen. So ist etwa eine Zunahme bei psychischen Auffälligkeiten (z. B. depressive Symptome, psychische Belastung) sowie somatischen Beschwerden (z. B. Rücken-, Kopf- oder Bauchschmerzen) zu beobachten. Hospitalisierungen wegen psychischer Erkrankungen und Suizidversuchen haben zu-genommen (v. a. bei Mädchen/jungen Frauen), ebenso wie Hospitalisierungen mit substanzbedingter Störung (v.a. bzgl. Cannabinoiden, Sedativa oder Hypnotika, Kokain und Alkohol).
Misshandlungen von Minderjährigen nehmen zu. Soziale Belastungen wie Mobbing, schulischer Stress und der Anteil an Jugendlichen, die weder erwerbstätig noch in Ausbildung sind, nehmen ebenfalls zu bzw. sind auf relativ hohem Niveau stabil wie auch die wahrgenommene Diskriminierung, während gleichzeitig ein Rückgang der psychischen Resilienz gemessen an der Kontrollüberzeugung/Selbstwirksamkeit zu beobachten ist.
Die Verdopplung von Übergewicht und Adipositas seit den 1990er-Jahren deutet auf langfristige Risiken für das Gesundheitswesen hin. Bei Kindern und Jugendlichen mit IV-Leistungen zeigen sich gegenläufige Entwicklungen: Im Altersbereich zwischen 0 und 14 Jahren nimmt der Anteil mit IV-Leistungen tendenziell ab, bei 15- bis 24-Jährigen tendenziell zu. Etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren verfügt über eine ausreichende bis ausgezeichnete generelle Gesundheitskompetenz, also über das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, um im Alltag Entscheidungen treffen zu können, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.
Diese Entwicklungen betreffen wichtige Aspekte der gesundheitlichen Chancengleichheit und sollten im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention weiter berücksichtigt werden. Die Förderung der mentalen Gesundheit und psychischer Resilienz, Prävention chronischer Erkrankungen und Stärkung von Gesundheitskompetenz sind wichtige Aspekte, um die Gesundheit zu verbessern und langfristige Belastungen für Gesellschaft und Gesundheitssystem zu reduzieren. Es bestehen v.a. Datenlücken hinsichtlich der frühkindlichen Entwicklung.

Gesundheitsverhalten: Fortschritte und neue Risiken
In den Bereichen Bewegung, Ernährung und Alkohol- sowie Cannabiskonsum zeigen sich teils positive Tendenzen – etwa eine verbesserte körperliche Aktivität bei Kindern, ein Rückgang des Konsums gesüsster Getränke und eine tendenzielle Abnahme bei Alkohol- und Cannabiskonsum. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen durch digitale Medien, Schlafstörungen und Tabak-/Nikotinkonsum. Die problematische Nutzung sozialer Medien (v. a. bei Mädchen) und Schlafstörungen nehmen zu. Der Konsum (neuartiger) Tabak-/Nikotinprodukte steigt ebenfalls. Auffällig sind auch stabile bzw. rückläufige Trends in gesundheitsförderlichen Freizeitaktivitäten bzw. beim risikoreichen Geldspielverhalten von Jugendlichen. Die Ergebnisse zeigen Fortschritte in der Gesundheitsförderung und Prävention (z. B. Bewegung), aber auch neue Herausforderungen wie digitale Belastungen, veränderte Freizeitmuster und neue Konsumformen. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit integrativer, alters- und geschlechtssensibler Präventionsstrategien sowie einer kontinuierlichen Beobachtung des Gesundheitsverhaltens – auch zur Förderung nachhaltiger gesundheitlicher Chancengleichheit.


Angebot und Inanspruchnahme: Heterogene Entwicklung und Datenlücken
Im Bereich Angebot und Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen für junge Menschen zeigt sich eine heterogene Entwicklung: Während die Ärztedichte in der Kinder- und Jugendme-dizin auf nationaler Ebene zugenommen hat, stagnieren die Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie sowie in der Kinderchirurgie. Regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit und Erreichbarkeit des Versorgungsangebots sowie in der Nachfrage können zu Versorgungslücken führen und gesundheitliche Ungleichheiten verstärken. Die Hospitalisierungs-rate im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie bei unter 26-Jährigen ist gestiegen, insbesondere bei jungen Frauen. In der Suchthilfe nimmt der Anteil Jugendlicher bei Opioid- und Alkoholprob-lemen zu, bei Cannabis hingegen ab. Die Zufriedenheit der Eltern mit stationären Behandlungen ist sehr hoch. Im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention zeigen sich positive Trends: Vor-sorgeuntersuchungen im Säuglingsalter und Durchimpfungsraten – teils über 90 % – sind anhal-tend hoch, und kantonale Programme sowie familienergänzende Betreuungsangebote erreichen zunehmend mehr Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig bestehen substanzielle Datenlücken zu wichtigen Versorgungs- und Unterstützungsangeboten, was eine umfassende Beurteilung der Angebots- und Nutzungssituation erschwert.


Rahmenbedingungen: Lebenswelten im Wandel
Zentrale Rahmenbedingungen für die Gesundheit junger Menschen in der Schweiz zeigen unter-schiedliche Entwicklungen: Während der Anteil von Familien mit risikoreichem Substanzkonsum gesunken ist, stieg der Anteil von psychisch belasteten Familien an. Die illegale Ab- und Weitergabe von Alkohol- und Tabakprodukten an Jugendliche ist weit verbreitet und nimmt zu. Auch ist ein Anstieg bei den Kosten des Gesundheitswesens bei Kindern und Jugendlichen zu verbuchen. Keine wesentlichen Veränderungen waren in Bezug auf den Bildungsstand von Eltern, die relative Armut von Kindern und Jugendlichen, Lebendgeburten von ausländischen Müttern, soziale Unterstützung, Entbehrungen in Bezug auf die Wohnung und Investitionen in Dienstleistungen der Kinder- und Jugendgesundheit zu verzeichnen. Die dokumentierten Entwicklungen betreffen zentrale soziale, wirtschaftliche und psychosoziale Einflussfaktoren auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Diese bilden wichtige Ansatzpunkte für Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung.

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