Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF

Rauchstopp in der Psychiatrie: Neues Modellprojekt im Kanton Aargau

Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) [UZH-assoziiert] und die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) lancieren zusammen ein einzigartiges partizipatives sowie evidenzbasiertes Programm zur systematischen Tabakentwöhnung in der psychiatrischen Versorgung der Schweiz. Das dreijährige sukzessiv umgesetzte Modellprojekt schult Fachpersonal, verändert Klinikkultur und begleitet Patient:innen individuell sowie unterstützt die Mitarbeitenden beim Rauchstopp.

Rauchen in der Psychiatrie: Eine vernachlässigte Gesundheitslücke

Während die Rauchquoten in der Allgemeinbevölkerung kontinuierlich sinken, bleibt der Tabakkonsum in psychiatrischen Einrichtungen unvermindert hoch. Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen rauchen deutlich häufiger und sterben im Durchschnitt viele Jahre früher, massgeblich u. a. aufgrund tabakbedingter Erkrankungen. Auch die Mitarbeitenden weisen eine erhöhte Rauchprävalenz auf. Gleichzeitig wird Rauchen in Kliniken oft toleriert statt behandelt, obwohl alle Anwesenden durch das omnipräsente Rauchen stark vom Passivrauch betroffen sind. Ein systematischer Ansatz zur Förderung der Tabakentwöhnung in der Psychiatrie fehlte in der Schweiz bislang.

PSY-Rauchstopp: Ein neuer Ansatz auf mehreren Ebenen

Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) hat gemeinsam mit den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) das Modellprojekt "PSY-Rauchstopp" resp. "Aargauer Modell" entwickelt. Das dreijährige Programm (2026–2028), finanziert durch den Tabakpräventionsfonds und den Kanton Aargau, verfolgt einen umfassenden Ansatz. Es schult Fachpersonal in evidenzbasierter Tabakentwöhnung, verändert die Klinikkultur hin zu einer rauchverzichtenden Kultur, begleitet Patient:innen sowie Mitarbeitende individuell beim Rauchstopp und bereitet die Übertragung auf weitere Institutionen vor.

Die aktuelle Forschungslage stützt diesen Ansatz: Rauchverzicht verbessert nachweislich die psychische sowie die physische Gesundheit, wirksame Behandlungsoptionen existieren und rauchverzichtendes Setting in psychiatrischen Kliniken führt, entgegen mancher Befürchtungen, nicht zu mehr Unruhe auf den Stationen. Ein breiter Beirat mit Fachpersonen aus der Psychiatrie, der Tabakprävention und der Betroffenenperspektive begleitet das Projekt.

Ein übertragbares Modell für die Schweiz

"PSY-Rauchstopp" versteht sich als Modellprojekt. Die gewonnenen Erkenntnisse, Schulungsmaterialien und Konzepte sollen anderen psychiatrischen Institutionen frei zur Verfügung gestellt werden, damit die Tabakentwöhnung künftig systematisch in die psychiatrische Versorgung integriert werden kann.

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