Verstehen statt Verurteilen

Vier prominente Personen engagieren sich gemeinsam mit dem Blauen Kreuz gegen die Stigmatisierung von Alkoholproblemen. Musiker Marc Sway, Comedian Charles Nguela, Sängerin und Tänzerin Arina Luisa sowie Autor und Podcaster Oliver Baer rufen dazu auf, Menschen mit Alkoholproblemen mit Verständnis, statt Vorurteilen zu begegnen.

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2026
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Projektdetails

Rund um den Nationalen Aktionstag Alkoholprobleme am 21. Mai lanciert das Blaue Kreuz ab dem 18. Mai eine Kampagne in zehn Deutschschweizer Städten. Über 400 Plakate sowie Werbung in Bussen und Trams machen darauf aufmerksam, wie stark Scham und gesellschaftliche Ausgrenzung Betroffene belasten und sie oft daran hindern, frühzeitig Hilfe zu suchen. «Ein Grund, warum viele nicht über solche Themen sprechen, ist Scham», sagt Marc Sway. «Wichtig ist, nicht zu verurteilen, sondern zuzuhören und für jemanden da zu sein.»

Das Schweigen brechen

Auf Initiative des ehemaligen Suchtbetroffenen Oliver Baer und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Fotografen Sven Germann konnte das Blaue Kreuz vier Personen gewinnen, die ihr Gesicht zeigen und das Stigma rund um Alkoholprobleme brechen wollen. Die vier Beteiligten reissen auf Plakaten und in kurzen Videoporträts das Schweigen vom Mund. Die Botschaft: Alkoholprobleme dürfen kein Tabuthema sein. Begleitet wird die Kampagne durch eine Landingpage sowie Videointerviews auf dem YouTube - und Instagram-Kanal des Blauen Kreuzes Schweiz.

Hintergrund: Stigmatisierung von problematischem Alkoholkonsum

Stigmatisierung von Menschen mit Alkoholproblemen findet statt, wenn sie wegen ihrer Probleme abgewertet werden, wenn andere sie als willensschwach, unzuverlässig oder als selbst schuld bezeichnen. Oder wenn sie wegen ihrer Alkoholprobleme ausgegrenzt und isoliert werden.

Wenn die Betroffenen ihren Alkoholkonsum als belastend empfinden, dann kommt die Stigmatisierung als Last hinzu. Sie wird zur zweiten Krankheit. Die Stigmatisierung einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit ist besonders stark im Vergleich zu anderen Stigmatisierungen. In einer Studie aus Deutschland waren z.B. über 40 % der befragten Personen der Meinung, dass eine Alkoholabhängigkeit eine Charakterschwäche sei, während etwa 30 % angaben, Alkoholabhängigkeit sei selbst verschuldet (Schomerus, Matschinger & Angermeyer, 2014).

Die Stigmatisierung von alkoholabhängigen Menschen hat weitreichende negative Folgen. Selbststigmatisierung, ein tiefes Selbstwertgefühl und eine schlechtere Bewältigung der Abhängigkeitserkrankung können resultieren. Ausserdem kann die Lebensqualität sinken.

Stigmatisierung durch Fachleute

Auch Fachleute sind nicht davor geschützt zu stigmatisieren. Gemäss einer Studie von 2018 erleben Menschen mit einer Abhängigkeit im Kontakt mit Behörden und sozialen Institutionen Stigmatisierung. 70 % der Betroffenen berichten, dabei Abwertung und Ausgrenzung erlebt zu haben. Am meisten wird Stigmatisierung im Kontakt mit der Polizei, in Gefängnissen oder in der Notaufnahme von Spitälern erlebt. Fachpersonen nehmen in diesem Fall Betroffene nicht ernst, behandeln sie nicht freundlich oder zeigen mangelndes Verständnis für die Situation der Betroffenen (Bucher et al. 2023; Schmid et al. 2018).

Schweigen verschärft das Problem

Viele Betroffene verstecken ihre Alkoholprobleme aus Angst vor Ausgrenzung und suchen erst spät Unterstützung. Häufig geschieht dies erst, wenn bereits erheblicher Schaden entstanden ist (Corrigan 2004; Fachverband Sucht 2023; Probst et al. 2015). Das Verheimlichen verstärkt das Problem, statt es zu lösen.

Diese Erfahrungen können sich auch auf Angehörige übertragen und auch bei ihnen dazu führen, dass Scham ein Hindernis ist, Unterstützung zu beanspruchen.

Das Blaue Kreuz hört zu

Wer ein Alkoholproblem hat, kann sich bei einer Beratungsstelle melden, zum Beispiel bei den niedrigschwelligen und anonymen Angeboten des Blauen Kreuzes.

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Videointerviews und Social Media-Content:

Youtube Kanal: @blaueskreuz_schweiz

Instagram: @blaueskreuzschweiz

 

 

Ansprechperson

Martin Bienlein

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