Selbstorganisierter Ausstieg aus der Sucht – Was können Therapeut:innen und Beratende davon lernen?
Viele Menschen überwinden Suchtprobleme ohne professionelle Hilfe – doch wie kann diese Selbstheilung unterstützt werden? Welche Befunde der Selbstheilungsforschung können Fachpersonen in ihre Praxis integrieren? Die Fortbildung vermittelt aktuelle Forschung, zeigt praxisnahe Ansätze der «gestützten Selbstheilung» und beleuchtet Stigma, Motivation und Veränderungsprozesse. Mit Fallbeispielen und konkreten Methoden für Beratung und Prävention.
Details zum Event
- Datum und Uhrzeit
-
22. Oktober 2026
09:15 - 17:00 - Ort
- Volkshaus, Zürich
- Veranstalter:in
- Fachverband Sucht
- Themen
Beschreibung
Die Forschung zeigt, dass Menschen ihre Suchtprobleme mehrheitlich ohne professionelle Hilfe überwinden können. Gleichzeitig ist jedoch die Unterstützung von Selbstheilungsprozessen durch Minimalinterventionen, wie etwa der motivationalen Gesprächsführung, möglich (‘Gestützte Selbstheilung’). Auch Massnahmen der Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Aufklärungskampagnen) helfen, ein «selbstheilungsfreundliches Klima» auf gesellschaftlicher Ebene zu schaffen. Hierbei spielen in der Bevölkerung und auch in der Fachwelt vorhandene Bilder von Sucht und die Vorstellungen über Schuld und Veränderbarkeit von selbstschädigenden Verhaltensweisen eine wichtige Rolle. Die Teilnehmenden erfahren einleitend, wie Selbstheilungsstudien durchgeführt werden und erhalten anschliessend Einblick in das transtheoretische Phasenmodell der Verhaltensänderung. Die Fortbildung geht auf die verschiedenen Perspektiven des Selbstheilungsphänomens ein, u.a. mit Blick auf Nikotin aufgrund der Online-Erhebung «Gesundheit und Lifestyle» 2022 des Bundesamtes für Gesundheit. Anhand zentraler Forschungsergebnisse, exemplarischen Fallmaterials aus den Schweizer Pionier-Selbstheilungsstudien und der persönlichen Erfahrung der Teilnehmenden (Fallanalysen) kommen folgende Punkte zur Sprache:
- Wie können wir in der professionellen Praxis «Selbstheilung» konkret wahrnehmen und damit arbeiten?
- Welche Alltagsmethoden und Tricks setzen Selbstheilende ein, um ihr Risikoverhalten in den Griff zu bekommen? Was kann man für die Beratungspraxis daraus lernen?
- Was hält Menschen mit Abhängigkeiten davon ab, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?
- Wie können Angebote in Kenntnis der Widerstände attraktiver gemacht werden?
- Inwieweit belasten verschiedene Formen von Stigma die Entwicklungsphasen von Selbstheilungsprozessen? Welches Suchtverständnis unterstützt Stigma? Wie gehen die Betroffenen mit Stigma um?
Ausgewählte aktuelle Selbstheilungsstudien werden vorgestellt und ein besonderes Augenmerk auf spezifische Formen der Minimalintervention («gestützte Selbstheilung») gerichtet. Eine Checkliste der wichtigsten Ansatzpunkte zur Unterstützung des Selbstheilungspotentials bei Klient:innen fasst die angesprochenen Themen und Hilfebereiche zusammen.
Zielgruppe
Die Fortbildung richtet sich an Fachleute aus dem ambulanten und stationären Suchtbehandlungsbereich; zudem sind aber auch Mitarbeitende bei niedrigschwelligen Angeboten / Kontakt- und Anlaufstellen sowie Planer:innen von Präventionskampagnen angesprochen.